Naturschutz zwischen NGO und Behördenstruktur
Im Infozentrum der ΜΟm
Direkt am Anleger befindet sich auch das Mediterranean Monk Seal Information Center (ΜΟm), die zentrale Anlaufstelle einer griechischen Meeresschutzorganisation, die sich dem Schutz der stark bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) sowie dem Nationalen Meerespark Alonnisos widmet. Für uns „Meeresakrobaten“ ist das natürlich ein spannendes Thema.
- Die Pension Panorama in Patitiri
- Informationszentrum der MOm
Im MOm treffen wir jedoch auf eine Mitarbeiterin, die uns äußerst distanziert begegnet und eher den Eindruck vermittelt, dass wir als private Besucher in ihrem „Heiligtum“ nicht wirklich willkommen sind. Das wirkt wenig einladend und hinterlässt einen eher unangenehmen Eindruck.
Aber diese ganzen menschlichen Gefühle und Irritationen scheinen unseren Plüschdelfin Finn wenig zu beeindrucken. Während ich mich innerlich noch etwas ärgere, freundet er sich bereits mit dem Mönchsrobben-Mädchen Αλίκη (Aliki, vergleichbar mit dem deutschen „Alice“) an und erhält so wichtige Informationen für seine Homepage „Der kleine Delfin“.
- Im Informationszentrum der MOm
- Im Informationszentrum der MOm
Trotz des ersten Eindrucks spendet Susanne – schließlich steht für uns der Schutz der Mittelmeer-Mönchsrobbe im Vordergrund und nicht die distanzierte Atmosphäre, welche die Situation überschattet hat.
- Im Informationszentrum der MOm
- Im Informationszentrum der MOm
Als sie anschließend noch Informationsbroschüren mitnehmen möchte und dafür 4 € zahlen muss, stutzt auch sie. Das ist – nach dem ohnehin schon befremdlichen Gesamteindruck – schließlich der Punkt, an dem der Eindruck für mich endgültig kippt.
Vielleicht wäre es besser gewesen, direkt in das rund 11 Kilometer entfernte Pflegezentrum für Mittelmeer-Mönchsrobben nach Steni Vala zu fahren. Dort werden verletzte Tiere tatsächlich versorgt und gepflegt, und man kommt der praktischen Schutzarbeit deutlich näher. Erfahrungsgemäß sind Menschen, die direkt mit den Tieren arbeiten, oft auch zugänglicher, engagierter und offener gegenüber Besuchern. Für einen Besuch dort fehlt uns allerdings die Zeit.
Tsitsifia
Im „Erdgeschoss“ des ΜΟm befindet sich das Estiatório Tsitsifia, ein landestypisch einfaches Restaurant. Serviert werden Fleischgerichte und – was unser besonderes Interesse weckt – Spaghetti mit einheimischem Thunfisch. Dieser soll von so hoher Qualität und zugleich so schadstoffarm sein, dass er sogar bis nach Japan exportiert wird.
So richtig überzeugen kann mich das Essen aber nicht. Weder hier noch zuvor im MOm finde ich den besonderen Charme wieder, der Alonnisos vor 22 Jahren so einzigartig gemacht hat. Irgendwie ist die Leichtigkeit verloren gegangen. Vielleicht täusche ich mich, aber vieles hier wirkt heute zurückhaltender und ernster als früher.
- Avra Studios in Patitiri
- Spaghetti in Thunfisch-Tomatensauce
Möglicherweise spürt man hier noch immer die Folgen der griechischen Staatsschuldenkrise, die 2009 begann. Jahrelange Sparmaßnahmen, Kürzungen und wirtschaftliche Belastungen könnten ihre Spuren hinterlassen haben. Vielleicht ist es auch nur mein persönlicher Eindruck, doch zeitweise wirkt es fast so, als hätte sich eine gewisse Resignation breitgemacht. In den Köpfen vieler Griechen wird dafür bis heute die EU mit der harten europäischen Sparpolitik verantwortlich gemacht. Dabei fallen dann auch Namen wie Merkel und Schäuble.
Ob das mit der Resignation tatsächlich so ist oder ob ich hier zu viel hineininterpretiere, kann ich nicht beurteilen – aber dieser Gedanke begleitet mich in diesem Moment, ebenso wie der Eindruck von der distanzierten Mitarbeiterin im MOm und der eher grimmigen Stimmung im Restaurant.
Streuner
Was sich dagegen überhaupt nicht verändert hat, sind die streunenden Katzen, die hier sofort auftauchen, sobald irgendwo auch nur der Hauch von Essbarem in der Luft liegt.
Besonders auffällig ist ein brauner Kater, der offenbar nicht nur ein ausgesprochener Genießer ist, sondern auch eine erstaunliche Neugier für „technische Ausrüstung“ entwickelt hat. Während wir im Begriff sind aufzubrechen, hat er es sich längst auf meiner Fototasche bequem gemacht – als wäre sie eigens für ihn dort abgestellt worden. Gelassen liegt er da, völlig überzeugt von seinem Anspruch auf diesen Platz, und zeigt keinerlei Bereitschaft, ihn freiwillig wieder freizugeben.
- Meins!
- Gelb oder blau?
Was ich bisher noch nie gesehen habe, ist eine weiße Katze mit zwei verschiedenfarbigen Augen. Ich frage mich, ob das vielleicht irgendwie unangenehm für das Tier ist oder ob es damit schlechter sieht – doch wie ich später im Internet nachlesen kann, ist das völlig harmlos und nichts Ungewöhnliches.
Die unterschiedliche Färbung entsteht schlicht durch eine ungleich verteilte Pigmentierung. Das blaue Auge enthält kaum oder keinen Farbstoff, während das andere mehr Pigmente besitzt. Bei weißen Katzen tritt dieses Phänomen besonders häufig auf, da Fell- und Augenfarbe genetisch besonders komplex gesteuert werden.
Theodoros
Da der Ort – abgesehen von einer eher trüben Grundstimmung – heute nicht viel hergibt, folgen wir einer Intuition und steigen die Epar.Od. Patitiriou Gerakas hinauf, auf der Suche nach dem Alonnisos Marine Park Office. Vor 22 Jahren hatten wir dort, ganz im Gegensatz zur eher distanzierten Erfahrung eben im MOm, einen außergewöhnlich positiven Kontakt mit dem Meeresbiologen Jannis Vlaikos. Damals fühlten wir uns willkommen und ernst genommen – verbunden durch ein gemeinsames Anliegen: den Schutz der Meereswelt.
Auch heute begegnen wir im Alonnisos Marine Park Office einem ausgesprochen freundlichen Meeresbiologen, Theodoros Mouratidis. Wir kommen kurz ins Gespräch, doch unsere Zeit ist knapp. Nach noch nicht einmal einer Stunde müssen wir bereits wieder zurück zum Boot – es wartet nicht. Schade eigentlich, denn rückblickend hätten wir wohl besser direkt hierher kommen sollen, anstatt das MOm zu besuchen.
- Finn informiert sich
- Patitiri – Epar.Od. Patitiriou Gerakas
Im Nachhinein wird der Unterschied deutlich: Während das MOm-Informationszentrum von einer Nichtregierungsorganisation betrieben wird, handelt es sich beim Marine Park Office um die offizielle Verwaltung des Nationalen Meeresparks Alonnisos. Diese staatliche Stelle ist für den Schutz des gesamten Gebiets zuständig und setzt die Regeln und Schutzmaßnahmen im Nationalpark um. Beide Organisationen arbeiten im selben Lebensraum und verfolgen ähnliche Ziele, sind strukturell aber völlig unabhängig voneinander – die eine zivilgesellschaftlich, die andere hoheitlich. Gerade dieser Unterschied wird im direkten Vergleich deutlich spürbar.
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